Lesetradition, zuhause

Jedes Jahr im Dezember zieht es Ditmar Doerner in die Heimat. Zum dritten Mal in Folge hat er nun wieder in Ruppichteroth gelesen – eingeladen in den Lesekreis des evangelischen Gemeindezentrums.

Tradition im Bergischen

Ditmar Doerner gerät regelrecht ins Schwärmen. Mit dem einen Arm lenkt er, mit dem anderen zeigt er in alle Himmelsrichtungen. Hier sei seine alte Schule gewesen. Ach ja, und dort hinten, hinter dem weißen Haus, dort habe er Fußball gespielt. „Ach, guck mal: hier war früher eine Bäckerei. Die gibt’s aber schon lange nicht mehr.“

Sein Begleiter auf dem Weg von Bonn nach Ruppichteroth kommt kaum noch nach mit dem Staunen und Sehen. Ditmar Doerner ist zuhause. In seiner Heimat. Einmal sogar hält er sein Auto an und macht ein Foto. Auf der Ecke vor einem Feld steht eine morsche Bank. Hier will er ein Bild machen, das hatte er sich schon in Bonn vorgenommen. Es bleibt unklar, ob das mit seinem neuen Bonn-Krimi zu tun hat.

Begeistertes Publikum

Schon die Begrüßung im Lesekreis war wie unter alten Freunden. Zum dritten Mal in Folge liest der Ruppichterother Junge von einst hier. „Das ist jetzt eine richtige Tradition,“ so begrüßt er die überwiegend älteren Gäste des Nachmittags. Er kennt den Raum, die nahe gelegene Kirche und die Gäste der Lesung. Es ist ein besonderer Tag.

Blick in den Raum, in dem Ditmar Doerner liest.
Zuhause: Lesen in Ruppichteroth. | Photo Andreas Schusters

Natürlich sind alle gespannt, wie der neue Krimi denn wohl sein wird. „Museumsmord“ – den Titel hatten sie schon gehört. Jeder hier kennt seine Bücher. „Ich habe ‚Exitus Venusberg‘ meiner Tochter geschenkt, ich konnte nicht mehr weiterlesen. War mir zu spannend,“ sagt eine Frau und schmunzelt. Wenig überraschend wollen alle wissen, ob denn auch Ruppichteroth im Buch vorkommt. Und wenn ja: „Lesen Sie doch diese Stelle!“ bitte ein Mann, der sich als regelrechter Krimifan outet.

Im Bergischen, zuhause

Mucksmäuschenstill ist es im Lesekreis, wenn Ditmar Doerner liest. In einer der beiden Pausen sagt eine Frau zu ihm: „Mit ihrer Stimme ist es nochmal spannender, als wenn man es selbst liest.“ Es ist nicht das einzige Kompliment, das der aus Bonn angereiste Autor hier einheimst. Manche hier sind Fans von Anfang an. „Schneefeste“, der erste Krimi, hat bei ihnen die Lust auf jeden neuen gemacht.

Viele Fragen, Ideen sogar und vor allem der Wunsch, er möge im kommenden Jahr wiederkommen. Die beiden Organisatorinnen haben schon einen Terminvorschlag. Dafür ist es noch etwas zu früh, sagt der Krimi-Autor. Aber eins ist sicher: „Im nächsten Jahr komme ich gern wieder her.“ Er fühlt sich wohl da, von wo er kommt. Zuhause liest sich eben immer anders als in den vielen anderen Orten – mögen sie auch noch so schön sein.

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